Akkordeon trifft Violine

von Dr. Ulrich von Nathusius

Nach den Tango-Sensations nun der nächste musikalische Leckerbissen.

Akkordeon trifft Violine

Schlosskonzert am 12. September

Schlosskonzerte Bad Arolsen 2021

Sonntag, 12. September, 19.30 Uhr

 

Bundesauswahl Konzerte junger Künstler

Förderprojekt des Deutschen Musikrats

 

Akkordeon trifft Violine

Anne Maria Wehrmeyer, Violine

Julius Schepansky, Akkordeon


Johann Sebastian Bach (1685-1750)

Sonate für Violine und Klavier in f-Moll BWV 1018

Largo - Allegro - Adagio - Vivace

 

Johann Sebastian Bach

Partita Nr. 2 d-Moll BWV 1004 für Violine solo

Sarabanda - Giga

 

Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788)

Sonate für Cembalo und Violine in g-Moll H.524.5

[ohne Satzbezeichnung] - Adagio - Allegro

 

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)

Sonate Nr. 2 für Klavier solo in F-Dur KV 280

Adagio - Presto

 

Edvard Grieg (1843-1907)

Sonate Nr. 1 in F-Dur op. 8 für Violine und Klavier

Allegro con brio - Allegretto quasi andantino - Allegro molto vivace

 

Zum Programm:

Die ungewöhnliche Instrumentenkombination lässt aufhorchen und war so noch nie in den Schlosskonzerten Bad Arolsen zu hören. Die Geigerin Anna Maria Wehrmeyer debütierte bereits mit neun Jahren mit dem Neuen Sinfonieorchester Berlin. Es folgten Auftritte in der Kölner Philharmonie, der Berliner Philharmonie und der Elbphilharmonie Hamburg sowie Konzerte in vielen europäischen Ländern, in Asien und in den USA. Und auch der Akkordeonist und Jazzpianist Julius Schepansky konzertierte bereits weltweit. Er spielte u. a. in der Laeizshalle Hamburg und der Kölner Philharmonie, wirkte bei diversen Uraufführungen sowie bei diversen Rundfunk- und Fernsehproduktionen beim WDR, NDR, BR und Deutschlandfunk mit.

Zu hören sind sowohl Solowerke der beiden Instrumente wie Bachs d-moll-Partita für Violine solo oder Mozarts Klaviersonate F-Dur in einer eigenen Bearbeitung für Akkordeon solo als auch drei Violinsonaten von Johann Sebastian Bach, Carl Philipp Emanuel Bach und Edvard Grieg.

Die das heutige Programm einleitende Sonate f-Moll ist die erste seiner „Sechs Sonaten für konzertierendes Cembalo und Violine“, die Bach vor 1725 als erste Violinsonaten der Musikgeschichte komponierte, in denen das Tasteninstrument sich aus der Rolle der akkordischen Begleitung im Basso continuo löste und der Violine als gleichberechtigter Partner gegenübertrat.

Der erste Satz ist im Stil einer barocken Arie angelegt: Das lange Vorspiel des Cembalos besteht aus zwei Oberstimmen und Bass, die einander ständig ein ausdrucksstarkes Motiv zuspielen. Die Violine setzt danach in lang ausgehaltenen Tönen mit angebundenen ornamentalen Legatobögen ein – wie der Sopran in einer Bachschen Kantatenarie. Die drei übrigen Stimmen führen im Cembalo ihr kontrapunktisches Spiel mit dem Kopfmotiv unbeirrt fort. Erst allmählich nähert sich auch die Violine diesem Motiv an, das sie aufgreift und variiert. Der Satz ist ein Klagegesang, ein barockes Lamento. Als zweiter Satz folgt ein fugiertes Allegro in drei Stimmen, das trotz seiner selbstbewussten Themen den beinahe verzweifelten Duktus des ersten Satzes noch fortspinnt. Der dritte Satz benutzt eine Folge expressiver Mollakkorde, die von der Violine in Achtel-Doppelgriffen gespielt und vom Cembalo in freien Melismen ornamentiert werden. Der Finalsatz im schnellen Dreiertakt kehrt zur Fugatoschreibweise zurück, allerdings mit einem so bohrenden chromatischen Thema in Synkopen, dass sich weder harmonisch noch rhythmisch ein Ruhepunkt einstellen will. Die Sonate scheint in eben jener Verzweiflung zu schließen, in der sie begonnen hat.

 

Die Sonate g-Moll von Carl Philipp Emanuel Bach ist heute als Flöten- und Violinsonate gleichermaßen bekannt. Mit dem Soloinstrument konzertiert die Oberstimme des Cembalos, gestützt vom Bass. Auffällig sind die harfenähnlichen gebrochenen Akkorde im 1. Satz, zu denen die Violine erst später mit einem eigenen Thema hinzutritt. Im zweiten Satz ist die Rollenverteilung ähnlich. Zu stimmungsvollen gebrochenen Akkorden tritt die Violine mit einem lang ausgehaltenen Ton hinzu. Später vereinen sich die beiden Instrumente zu zarten Terzen. Das Ganze wirkt wie eine empfindsame Hirtenmusik für die Weihnachtszeit. Beinahe ungestüm geht es im Finale zu, wo rauschende Sechzehntel und rhythmisch lebhafte Sequenzen das Geschehen bestimmen. Dieser Gestus des „Sturm und Drang“ ist typisch für die Finalsätze Carl Philipp Emanuel Bachs.

 

Ähnlich wie sein deutscher Freund und Kollege Johannes Brahms näherte sich auch der Norweger Edvard Grieg der Gattung „Violinsonate“ vom Klavier aus. Als einer der besten Pianisten seiner Generation trat er immer wieder mit virtuosen Geigern auf, etwa mit dem Russen Adolf Brodsky, der seit 1880 Professor am Leipziger Konservatorium war. Die Sonate F-Dur für Voline und Klavier op. 8 schloss Grieg 1865 mit 22 Jahren ab und versuchte immer noch, sich von den Einflüssen zu befreien, die seine Ausbildung am Leipziger Konservatorium geprägt hatten. Das Werk trägt zwar noch den Stempel der deutschen Romantik, enthält aber auch Hinweise auf norwegische Volkstänze und Hardanger-Geigen-Techniken, die bei der Uraufführung als „ein Hauch frischer Luft“ wahrgenommen wurden. Zwei Jahre später, 1867, war Grieg als Sympathisant der Bewegung für ein unabhängiges Norwegen tief in das Projekt des Aufbaus einer nationalen Kultur involviert.

 

Rainer Böttcher

 

 

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