
Theater Poetenpack Potsdam
„Jugend ohne Gott“ ist eine Betrachtung aus der Innenperspektive des Dritten Reiches. Hierin verarbeite Horváth seine eigenen Erlebnisse aus den Jahren 1933 bis 1937. Es zeigt einen Einblick in das Deutschland vor Beginn des Zweiten Weltkriegs und die Repressionen und Anpassungsmechanismen. Mit seiner Wahl eines Intellektuellen als Protagonisten und der Darstellung seiner Innenwelt ermöglicht er demgemäß eine Selbstreflexion auf die eigene Biografie. Auch die restlichen Personen entstammen allesamt bürgerlichen Verhältnissen, so dass er die sozio-ökonomischen Zwänge schildern kann, unter denen die Mittelschicht stand. Diese sahen ihre Chance auf Aufstieg darin, sich dem Regime und der Propaganda anzupassen.
Das Werk Ödön von Horvaths verdeutlicht insgesamt, dass Angst und Anpassung die menschliche Integrität beeinträchtigen, indem sie dazu führen, dass der Einzelne gegen seine eigenen Überzeugungen handelt. Allerdings präsentiert Horváth auch eine weitere Option: den Widerstand. So liefert „Jugend ohne Gott“ eine Betrachtung darüber, wie es möglich ist, die Integrität durch die Anpassung an ein totalitäres System zu zerstören, aber auch, wie der Mut, diesem System entgegenzutreten, die Integrität wiederherzustellen hilft.
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